Vive la France #1

Gepostet am 16.10.2011

La France – Land der großen Weine und der modernen Küche. Meine geschmacksreiche Expedition führt mich zunächst nach Paris und danach in das vermutlich größte Freilichtmuseum Europas: die PROVENCE. Gerade einmal fünf Stunden Autofahrt bis in die Stadt der Liebe – und die geht bei den Franzosen zuerst einmal durch den Magen! Auch die Leber soll dabei nicht ausgeschlossen bleiben. Da in Paris ordentlicher Wein angeblich nur überteuert angeboten wird habe ich vorher bei Bernd und Armin noch die neuen Bordeauxweine vom Château Segonzac erworben und eingepackt. Mal sehen ob die “Bordelaiser für Jedermann” ihrem Ruf gerecht werden – aber dazu später.

Der Nabel Frankreichs lässt sich nur zu Fuß richtig entdecken. Da in Paris gut 30 % aller Autos permanent unterwegs sind um einen Parkplatz zu suchen benutzt man besser die U-Bahn. Ausserdem sparen sich die automobilverliebten Deutschen den Ärger um Kratzer in Stoßstange und Lack – bis heute wird Ein- und Ausparken mit Vollkontakt praktiziert und von Passanten nicht weiter beachtet. Sobald mit der Metro der etliche Quadratkilometer umfassende Innenstadtbereich erreicht ist beginnt meine Entdeckungstour. Bei allerbestem Altweibersommerwetter empfängt mich der zentral gelegene Louvre mit seinem ausgedehnten Park. Sind Sehenswürdigkeiten wie der majestätische Eifelturm, die Champs-Elysees und Sacre-Coeur abgeklappert, lässt man sich am besten von Straßenecke zu Straßenecke treiben. Das macht riesigen Spass und funktioniert zu jeder Tageszeit! Als ich Notre Dame passiere werde ich skeptisch von diesen kleinen, hungrig anmutenden Kerlchen beobachtet. Total verständlich, wenn man unentwegt in Richtung St. Germain und Qaurtier Latin blickt (6ter und 7ter Bezirk) und einen appetitlich-süßer Geruch auf Schritt und Tritt verfolgt.

Unzählige Patisserien verleiten auch mich immer wieder dazu, mir wie ein Kleinkind die Nase an den Schaufenstern plattzudrücken. Die Franzosen machen nämlich nicht nur unglaublich gute Croissants und Baguettes. Hingucker sind kleine Kuchen, die liebevoll dekorierten Petit Fours. Der Anblick lässt jegliche Bedenken zum Kaloriengehalt verblassen – der Gedanke an Kilojoules kommt glücklicherweise frühestens wieder, wenn die süßen Kreationen auf der Zunge zergehen, dann ist bereits jeder Wille zur Mäßigung gebrochen.

Eine beondere Pariser Spezialität sind die Macarons, buntes, keksartig anmutendes Gebäck. Die farbenfrohe wie einfache Optik täuscht über die wirkliche Feinheit dieser Backware hinweg. Sie wird dem Geschmack nicht im Geringsten gerecht. Der “Teig” besteht schlicht aus Eiweiß, Zucker und gehobelten Mandeln. Sie werden mit kostbaren Zugaben, wie Pistazien oder Lavendel “parfümiert”. Gekrönt wird das Gebäck mit geschmacksvollendeten Buttercrémefüllungen. Das Edelgebäck erfreut sich so großer Beliebtheit, dass dafür bekannte Zuckerbäcker bis zu 2 Euro je Stück erzielen. Für mich ein erster Beweis für den gut trainierten französischen Gaumen, und was unsere Nachbarn für außergewönliche Geschmackserlebnisse zu berappen bereit sind. Mein Eindruck zum überlegenen Qualitätsbewusstsein der Franzosen sollte auf meiner Reise fortan bestätigt werden.

Selbst die Auslage der Gemüsegeschäfte zeigt die Liebe der Franzosen zu Essbarem. Wen wundert es da noch, dass im Studentenviertel eine Brezelboutique den Laugenbestseller nach französischer Manier in Szene setzt und jeden Tag unzählige Studenten zur Mittagszeit mit einem deftigen Snack versorgt.

Irgendwann etliche Straßenzüge später, wenn die Füsse dringend eine Auszeit benötigen, lädt eine von tausenden Brasseries zu kurzzeitigem Verweilen ein. Das quirlige Treiben auf den Trottoirs lässt sich von ihnen aus ganz hervorragend beobachten. So wird man Teil dieser wunderschönen Stadt an der Seine, denn auch für die Einheimischen liegt ganau darin eine ihrer beliebtesten Freizeitbeschäftigungen. Gleichzeitig lässt sich schnell analysieren was wirklich IN ist: Röcke in allen Variationen und einer Länge, die Müttern und Vätern Runzeln in die Stirn treibt, einfacher Roséwein gut gekühlt in ICE-BAGs und IPods.

Wenn die Dämmerung einsetzt, lädt die Pont des Arts auf der Rückseite des Louvre zu einem Picknick inmitten des Großstadtflairs ein. Die Geländer der Fußgängerbrücke über die Seine sind gespickt mit immerwährenden Liebesbekundungen. Dazwischen hocken Grüppchen junger Leute mit einer Flasche Wein, Brot, Käse und Dessertleckereien. Einer der schönsten Orte der Welt um mit Freunden einen lauschigen Spätsommerabend zu verbringen. Der perfekte Ort die mitgebrachten Bordeauxweine von Château Segonzac zu testen! Bei immer noch lauen 24 Grad gefallen vor allem die folgenden beiden:

  • Cru Bourgeois, ca. 10 Euro
    braucht erst mal Luft, punktet dann als ehrlich französischer Charakterwein.
  • Heritage Classique, ca. 14 Euro
    Cabernet Sauvignon & Merlot mit Top Preis-Leistungsverhältnis, fruchtbetonte Dichte, tolle Farbe, hervorrangend eingebaute Tannine.
  • Der Petit Verdot ist extrem konzentriert und überfordert meinen Gaumen deutlich, nur Fans zu empfehlen.
    Alle Weine erhältlich bei K&M Gutsweine.
  • Das macht Lust auf das Verkosten weiterer Topweine Frankreichs aus der Provence. Dahin führt Teil 2 meines Reiseberichtes.
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