Netzwerktreffen der Protagonisten des deutschen Wein-Web-2.0 im Rheingau
Gemeinsam mit weiteren 140 “vinophilen Nerds” folge ich am 17. März dem Ruf von Dirk Würtz und Thomas Lippert in den Rheingau. Egal ob Weinbauer, -händler, -journalist, Direttore, Sommelier, Vollprofi oder Amateur – alle Teilnehmer verbindet eines: Jegliche Anstrengung, die sie virtuell unternehmen, entspringt dem realen Leben und ist genau dafür gedacht. Nicht verwunderlich also, dass sie sich gerne offline austauschen.
Der Tag startet mit einer sehr vertrauten Handlung – Registrierung! Ungewöhnlich allerdings, dass dies bereits um 8:00 Uhr an einem Samstag Morgen erfolgt. Von Anfang an Professionalität auf dem Campus Geisenheim. Das zeigt sich insbesondere auch am reichhaltigen Informationsangebot. Wo sonst Vorlesungen für angehende Oenologen stattfinden, sind an diesem sonnigen Samstag 10 Sessions und neun Weinproben im Angebot. Aber was ist eine Session? Der Referent/Diskussionleiter rekrutiert sich aus den Reihen der Teilnehmer.
Erste Session für mich: Kundenbindung. Mitunter hitzig diskutiert die Runde wie Kundenbindung herzustellen sei und ob Produzenten bei steigender Markttransparenz zum Schutz von Produktimage und Vertriebswegen eine Preisreglementierung im Sinne eines UVP durchsetzen sollten. Einzelne Wortmeldungen sind hier bei Theo nachzulesen. Fazit: Mach Dein Ding und hoffe, dass es dafür eine ausreichende Nachfrage gibt – oder anders: Ohne klares Profil keine Kundenbindung.
Im Anschluss rauchen einige Köpfe bei Überlegungen zur Gestaltung einer erfolgreichen Bag-in-Box für den deutschen Markt um danach beim Thema “Ist Billig gut oder schlecht?” gar zu qualmen. Der Sessionleiter Michael Pleitgen erreicht sein Ziel, die Komplexität und Untiefen des Themas mit Unterstützung vielschichtiger Beiträge aus dem Plenum herauszuarbeiten. Er schliesst mit einem Appell an die Wein-Bloggerszene: Die Wirkung von Statments zum Thema Billigangebote ist nicht vorhersehbar - vor dem Veröffentlichen lieber nochmal nachdenken.
Nach viel Theorie und Diskussion rund und ums Thema gehts auf dem Vinocamp in eine von 9 Themenweinproben. In der Auswahl z. B. naturnahe Orange Wines, Exoten, Rheingauweine, weiße Bordeauxs usw.
Ich finde mich in der Pinot-Blindverkostung mit 18 Weinen aus Deutschland und der Welt wieder. Die Frage des Schnutentunkers: “Lässt sich schmecken ob der Wein aus Deutschland ist?”Emsig gibt hier jeder der fast 20 Gaumen alles. Die statistische Auswertung lässt eigentlich nur eine Antwort auf diese Frage zu – nein.
Die fast punktgleichen Sieger: 1. Platz Ahr, 2. Platz Rheingau, 3. Platz Neuseeland. Wegen der großen Zahl der angestellten Weine schaffte es der Markus Molitor leider nicht in die Blindprobe – wurde aber beim “Restetrinken” von vielen in die persönliche TOP 3 aufgenommen.
Um 19:30 startet der inoffizielle Teil der Veranstaltung in der WineBank. Dafür hatte sich jeder Teilnehmer zur Spende einer Flasche Jahrgang 2002 oder älter verpflichtet. So schön es klingt, so wenig erquicklich war meist der Inhalt. Als wohlgemeinter Fingerzeig entgegen dem Branchentrend zur kurzfristigen Orientierung darf man dieses Happening möglicherweise dennoch verstehen. Umso interessanter die Begegnungen bei einer nicht enden wollenden Flaschenflut und Vibes von DJ Würtz.











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