Egal ob Küchenchefs am Sonntag, Rosins Restaurant am Dienstag oder Kochprofis am Donnerstag – warum die Krisenhelfer zum Ärgernis der eigenen Branche werden: Selbst wer eine TV-Reality-Kochshow nur hin und wieder verfolgt, hat längst bemerkt, dass die “Hilfsbedürftigen” den “Schicksalen” des Nachmittagsprogramms der Privatsender ähneln. Kein Wunder, wenn die Betriebswahl Sache der Redaktion ist. Die Kriterien dafür sind allzu offensichtlich: Geringste fachliche Eignung und maximaler sozialer Sprengstoff sind das Ticket für Krisenbeistand.
Das war einmal anders. Die Kochprofis starteten einen Feldzug gegen Geschmacksverstärker, Convenience und Abzocke. Die Message:
Wir sind die Qualitätsoffensive der Gastronomie – unsere Branche kocht ehrlich und lecker!
Gestandene Wirte, vom oft knallharten Wettbewerb aus der Bahn geworfen, wurden zurück auf die Erfolgsspur gebracht. Ein Grund für Kollegen einzuschalten. Andi Schweiger bekannte, die Kollegen-Hilfe sei ihm eine “riesen Herzensangelegenheit”. Gastronomie mag hart sein, aber genau das verbindet auch kameradschaftlich. Wie konnte das “Wir haben verstanden”-Konzept ins Gegenteil umschlagen?
1. Weil der Soap-Charakter Betriebsberatung samt Küchenwissen gnadenlos einreduziert. Waren zu Beginn wenigstens 2 – 3 Speisen und deren Zubereitung eingebaut, kommen die Shows heute nach Verlesen des Menüs gänzlich ohnedem aus. Kaum 2 Minuten einer Sendung drehen sich noch um die Basis erfolgreicher Gastronomie: solide Speisenzubereitung & Kalkulation. Abschauen können sich andere Krisenbetriebe vor allem, was alles schief laufen kann.
2. Noch bedauerlicher: Kaum ein aktuell gezeigter Gastronom ist wirklich einer. Zumeist handelt es sich um Gestrandete, die das alte Sprichtwort “wer nichts wird, wird Wirt” für Bare Münze genommen haben. Obendrein gaukelt die Show dem Rest der Bevölkerung vor, dass aus jedem Schuppen schlechten Geschmacks innerhalb von drei Tagen ein 1-A-Fresstempel zu machen sei. Auch eine Möglichkeit, gleich die komplette Branche herabzuwürdigen.
Andi Schweiger & Co sollten dringend darüber nachdenken, ob es eine riesen Herzensangelegenheit sein kann, Raubbauern der Branche derart unter die Arme zu greifen. Es gibt genügend Gastronomen, die neben Herzblut und Geld zum Preis schwerer Schufterei über Jahre emsig Qualifikationen erwarben. Warum bitte sollte man Betrieben helfen, die in Wirklichkeit nur als Weihnachtsgans für Immobilienspekulanten dienen?
Ich berate selber Gastronomen. Die Mehrzahl der gefilmten Betriebe hat aus professioneller Sicht nie eine Chance gehabt sich am Markt zu behaupten. Dafür glänzten diese bisher dadurch, Gastronomie mit preislich und qualitativ überwiegend unseriösen Angeboten in Verruf zu bringen. Keine Gäste? Welch Wunder, die kochen dafür jetzt noch lieber zu Hause. Zudem haben die TV-Küchenhelden uns allen bewiesen: Jeder hat das Zeug zum Wirt! Das TV-Shows oft realitätsfern sind, ist nicht ungewöhnlich. Das erfolgreiche Vorzeigetalente ihr eigenes Nest besudeln schon eher.
Kurz: Die aktuellen Einsätze von Kochprofis und Co schaden dem Ansehen der Gastronomie.
Bitte helft doch den würdigen Vertretern unserer Branche!
Dann ist der Abstecher in die Pommesbude eines ehemaligen Schraubers ohne jegliche Basisqualifikation als TV-Event auch wieder annehmbar. Ich weiss, dass ich der Gastro-Familie aus dem Herzen spreche, wenn ich dazu aufrufe, unsinnigen Einsätzen Einhalt zu gebieten. Unterhaltsamer sind die Shows durch die fortschreitende Dramatisierung jedenfalls nicht geworden. Hochwürdige Sterneköche, verehrte Küchenchefs, ich frage Euch: Wollt Ihr nur noch Soap-Stars auf Kosten Eurer Herkunft sein?
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