Fuck the Backmischung – Gastrotrends #5

Gepostet am 16.11.2011

Das neue Cafe Kubitschek beweist, das Kuchen nix für Omis ist! Ein Best-Practice-Beispiel, wie Design und Style gastronomische Angebote bereichern oder gar beflügeln.

Innendsign Neues Cafe Kubitschek

Innendsign by designliga, München

Die heutige Folge Gastrotrends in der Praxis nimmt Münchens IN-Laden 2011 genauer unter die Lupe.

Inhaber Armin Stegmeier tat einen Goldgriff mit der Verpflichtung von Christina Köpf aus dem Team der designliga. Zusammen sponnen sie ausgiebig rum, dann verwandelte sich ein verwaister türkischer Kulturtreff in wenigen rekordzeitverdächtigen Tagen in einen der angesagtesten Gastrobetriebe der Schweinebratenmetropole.

kubitschek schaufenster

Guckst Du!

Riskiert man einen Blick durch das magisch anziehende Schaufenster, erblickt man schwebende Würfel vor pflaumenfarbener Wand und schlicht-weißes Mobiliar. Das bemerkt aber nur, wer seine Augen von den schrillsten Kuchenträumen wie “Bayrischer Wilderer” oder “Strumpfband” in den Kuben zu lösen vermag. Diese und viele weitere bestellbare Designer-Torten findet man in der hauseigenen Zeitung zur Torte.  Sie dient gleichzeitig als Speise- und Getränkekarte für das täglich von 9 – 20 Uhr geöffnete Café. Das Ganztagesangebot umfasst Frühstück, kleine Mittagsgerichte sowie hausgemachte Brote zu ausgesuchten Weinen für gemütliche Abendstunden. Trotzdem bleiben die extrem schmackhaften Kuchen- und Tortenkreationen der Konditormeisterin im Mittepunkt. Halbstündlich erscheinen neuen Speichelprovokanten in der Vitrine. Eine benachbarte Wohnung musste bereits angemietet werden um immer länger werdenden Bestelllisten Herr zu werden.

kubitschek designs

Design macht unverwechselbar

Selbstverständlich gibt es alle Backstubenschöpfungen vom klassischen Petit-Four bis zum saftigen Schokoladenkuchen auch zum Mitnehmen. Das eigentliche Hauptgeschäft, denn die Sitzplätze sind auf knapp 30 Quadratmetern begrenzt.

Dafür erfreut man sich beim Cake-Take-Away nicht nur über vergünstigte Mitnahmepreise sondern insbesondere über politisch komplett inkorrektes, an Sturm-und-Drang-Zeiten erinnerndes Packpapier.

Was kann man vom Vordenker der absolut oscarreifen Reanimation einer totgeglaubten Gastronomiesparte lernen?

kubitschek Schokoladenkuchen

Klassisch gut: Schokoladenkuchen

Essen und Trinken ist nicht alles, nicht einmal im Sternerestaurant. Hervorragende Gastronomie wird und bleibt weitaus erfolgreicher in Kombination mit hervorstechender Präsentation, auch auf der Webseite (wie in Gastrotrends #4 erläutert)!

Kreativität und Tatendrang darf nicht an der Küchenschwelle aufhören um heute zu überzeugen, der Wettbewerb um Speis und Trank wird nicht vor Herd und Ofen entschieden. Die großen machen es längst vor, Starbucks kann Höchstpreise für Pappbecherbrühe auch nur aufgrund zielgruppenorienter Einrichtung durchsetzen – da trifft man sich einfach gerne, selbst wenn der Kaffee mies ist. Die Qualität des Angebotes tritt in den Hintergrund. Selbst Mc Donalds verdankt seinen Durchbruch in Europa letztendlich blitzblank gepflegten Klos entlang der Hauptreiserouten.

Das neue Kubitschek beweist, dass es gastronomische Auslaufmodelle nicht gibt. Wer sich mit dem Wandel wandelt und Grundregeln wie Conrad Hiltons Leitspruch “Location, Location, Location!” beherzigt, sich erst einmal mit wenigen Quadratmetern zufrieden gibt, dafür aber gleich ein junges, aufstrebendes Stadtviertel für seine Geschäftsidee aussucht wird am Ende belohnt. Eine kreative Backstube wird dann nicht zu einem Café, sondern zum dritten Ort [third place] neben Wohnung und Arbeitsplatz. Sollte mich nicht wundern wenn die jüngsten, kaum einen Meter messenden Kuchenfans, den Klassiker “Backe, backe Kuchen…” in Zukunft mit “…das Kubitschek hat gerufen!” intonieren. Ergänzender Artikel zu Szenegatronomie und weiterführende Links:

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