All about GIN

Gepostet am 27.07.2011

Ich finde es immer wieder faszinierend welche geschmacksreiche Bandbreiten der Wacholderbrand Genever, besser als GIN bekannt, aufweisen kann.  Seinen besonderen Geschmack verdankt er dem Wachholder (lat. Juniperus). Er entsteht aus einem Schnaps stärkehaltiger Herkunft (meist Getreide), der unter Zugabe von Kräutern, Früchten und Wacholderbeeren nochmals in mehreren Stufen destilliert wird. Erfunden hat ihn der Deutsche Franciscus Sylvius unter dem Namen Genever (abgeleitet von Juniperus) Mitte des 17. Jahrhunderts zu vermutlich medizinischen Zwecken – sein Spezialgebiet war die Verdauung. Britischen Soldaten gefiel er äußerst gut, sie brachten diesen nach London. Die Beliebtheit sorgte für Goldgräberstimmung in den Hinterhöfen. Bald sah sich die Krone gezwungen ein Reinheitsgebot zu erlassen. Das Ergebnis: Gin wurde nun sogar in Aristokratenkreisen zum Szenegetränk.

Auch der mediznische Einsatz von Gin als Malaria-Prophylaxe sorgte für die wachsende Popularität des Destillats. Dabei ist es eigentlich das chininhaltige Tonicwasser, das Mücken in die Flucht treibt. Der aus der Rinde des Chinarindenbaumes hergestellte Bitterstoff Chinin wird mit Sodawasser vermischt. Beim Schwitzen tritt der Bitterstoff durch die Poren aus, dadurch werden die Schweißrezeptoren von Mücken getäuscht – der Tonictrinker fällt aus dem Beuteschema. Besonders in der damaligen Kronkolonie Indien war die Malaria weit verbreitet. Glücklicherweise war dieses Tonic Wasser so bitter, dass die Soldaten den so beliebten Gin für bessere Trinkbarkeit zumischten. Einer der erfolgreichsten Longdrinks war geboren: Gin & Tonic.

Ich gebe zu schon lange ein Anhänger dieses herrliche herb-trockenen Getränks zu sein. Grund genug mal einen Vergleichstest von drei Spitzenvertretern durchzuführen.

Monkey 47 LabelHier die ausgewählten Premium-Gins:

  1. Monkey 47
  2. Hendrick’s
  3. Tanquery No. TEN

Der Monkey47 kommt aus dem Schwarzwald. Wie kommt sowas? Ganz einfach: Der ehemalige Nokia-Manager Alexander Stein stieß zufällig auf das Gin-Rezept eines britischen Kriegsveteranen. Er entschied sich dafür, den besten Gin der Welt machen zu wollen, was ihn zu Christoph Keller in den Schwarzwald führte. Keller gehört zu den besten Brennern, Stein hatte keine Mühe ihn für sein Unterfangen zu begeistern. Entstanden ist Monkey47. Siebenundvierzig geheime Ingredenzien verleihen ihrem Wacholderbrand ein herausstechendes Aroma. Die “Gin-Nerds” nutzen z. B. Muskat, Ingwer, Gewürznelke, Süßholz, Lavendel, Akazie, Goldmelisse, Zitronenmelisse, Slabei, Hagebuttenschale, Preiselberren und Eisenkraut zur Aromatisierung. Geruchlich begeistert mich der frische kräutrig-minzige Charakter. Der Schwarzwald ist im Duft zerriebener Tannennadeln plötzlich gegenwärtig. Pur verkostet setzt sich die hervorragende Frische auf der Zunge bei der Entfaltung von Zitrusnoten fort. Zusammen mit Tonic scheint die geschmacksreiche Bandbreite schier endlos zu werden. Ein wirklich extravaganter, nicht alltäglicher Vertreter. Der Preis für die Designpreisverdächtige 0,5 l Flasche mit knapp 32 Euro ist hoch, aber gerechtfertigt.

Best of GinDer Gin mit Tonic und Gurke ist innerhalb kürzester Zeit ein Kultgetränk geworden. Dazu hat sicherlich ein erstklassiges Marketing und die Apothekerflasche beigetragen. Auch die Presse ließ sich soweit bezirzen, dass eine bedeutende amerikanische Tageszeitung Hendrick’s Gin zu einem der besten 3 weltweit gekürt hat. Der Geruch ist deutlich süßer, Orange und Süßholz im Vordergrund. Geschmacklich fällt er in der Purverkostung ab, kann die Erwartungen des opulenten, vielversprechenden Buketts nicht halten. Erst mit Tonic zeigt sich die Premiumklasse dieses Wacholderschnapses. Er unterstützt die Chininnote und erlangt eine schöne trockene Balance zu seinem süßlichen Charackter. Ein Scheibchen Gurke perfektionert diesen Gin & Tonic mit einer Brise Frische. Als Longdrink vermag dieser klare Tropfen den Gin-Tonic-Fan zu überraschen und zufriedenzustellen, gleichzeitig macht ihn seine Süße auch für Frauen und Interessierte erinnerungswürdig. Bei den knapp 28 Euro für 0,7 l schlägt ein nicht unerhebliches Marketingentgelt zu Buche.

Jetzt ein “Classic”. Tanqueray gehört zu den besten Gindistillen die es vom britischen Gin-Boom bis in die Gegewart geschafft haben. Im Jahr 2000 brachten Sie nach 170 Jahren Erfahrung im Perfektionieren des Genevers ihren No TEN heraus. Mit 47,5 Volt sehr alkoholisch und trocken in der Nase. Der trockene Gintrinker bekommt beim Verkosten leuchtende Augen. Der Britische Leader No TEN (Downingstreet) zeigt seine Erhabenheit in Verbindung mit dem bitteren Tonicwasser. Eine ergreifende trocken-fruchtige Harmonie mit vordergründig reifer Grapefruitnote lässt Gin-Tonic-Veteranen gedanklich in einen Brokatbesetzten Ohrensessel eines kolonial-indischen Regierungsbüros zurückkehren. Thank you very much indeed! Ab sofort mein Hausgin für knapp 25 Euro/0,7 l.

Fazit: Es gibt nicht einen besten Gin-Tonic, vielmehr gibt es einen für jeden Anlass. Es macht einen gehörigen Unterschied ob das Tonicwasser mit Gordon’s, Beefeater oder Tanqueray trinkbar gemacht wird.

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